12 Zwischen Flut und Ebbe - Ökosystem Mangue
Da wo sich Meerwasser mit Süßwasserfluten
mischt, entstehen eigene Ökosysteme, resistent gegen das tagtägliche Ansteigen
und Fallen der Fluten. Die natürliche Auslese hat auch hier zu exotischen
Anpassungen geführt. Stelzenwurzeln, hochstrebend komplex wie eine gotische
Kathedrale, verankern Baumriesen mitten im Sand. Sie widerstehen den immer
näher leckenden Fluten, lassen sich gar ganz unterspülen. Immer wieder öffnet
sich die Rinde, und noch eine neue Wurzel wuchert über die schon vorhandenen
hinweg. Solche Wurzelkathedralen sind ideale Brut- und Zufluchtsstätten für
Vögel, Fische und viele andere Lebewesen. Auch die Samen vieler Bäume sind
sozusagen wasserfest. Viel Bäume lassen ihre Frucht von den Wassern
davontragen. Statt Muscheln findet man am Strand Kokosnüsschen
in allen Größen, alle Arten von Kastanien, Mandeln, kleine Ballone, die Samen
enthalten, wunderbar gewundene Bohnen, Rispen, Rinden. Manche Samen müssen gar durch einen Fischbauch wandern, bevor sie auskeimen können. Die
dreikammrige Frucht hier enthält die Frucht des Gummibaums, gräulich, vom
Wasser ausgewaschen, ovalrund und rundherum eingekerbt. Dickbäuchig und
orangebraun sind die ölhaltigen Samenfrüchte des Andirobabaumes. Die
beigebraunen, silbern gewaschenen Ballönchen sind wohl wilde Maracujás,
Passionsfrüchte. Überreiche Ernte des
Flusses, Anfang und Schlusspunkt dieses monochromatischen Paradieses,
einsilbig, eigenartig karg, um das Wort monoton zu vermeiden, endlos, endlos
weit und endlos fruchtbar.
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