27 Manaus große
alte Lady, das Theater
Manaus, Tage und Tage den Amazonas hoch, wurde
erst 1848 zur Stadt erklärt. Es entwickelte sich aber bald danach zu einem
blühenden Umschlagplatz, zur wichtigen Sammel- und Lagerstation der Kautschukballen.
In den Jahren zwischen 1880 und 1910 galt Manaus als die florierenste, am
schnellsten wachsende Stadt der Welt, mitten in den tropisten Tropen. All das, dank einer durch die Industrialisierung
angeregten Neuendwicklungen: Latex, Gummi. Bald schon explodierte die Nachfrage
nach dem Rohprodukt Kautschuk, mit primitiven Methoden mitten aus dem Regenwald
extrahiert. Ein Boom, dem clevere Engländer aber schon bald ein Ende setzten.
Sie schmuggelten Gummibaumsamen nach England und pflanzten die geraubten Gummibäume
in ihren Plantagen in Malaysia. Sie entzogen damit den Brasilianern über
Nacht die Geschäftsgrundlagen. Das
Theater, Zeitzeuge dieser Zeit, versteckt hinter einem wilden Gewirr
elektrischer Leitungen und unschöner Lichtmasten. Es erstrahlt heute wieder im
ehemaligen Glanz. Majestätisch steht es da, inmitten einer wilden und
ungeordneten Stadt, aus gesichtslosen Gebäuden angehäuft, mit einem sich selbst
überlassenen Zentrum. Eigentlich eine wilde Kollektion architektonischer Stile
und Moden, besticht es durch seine exotische Schönheit. Von Weitem winkt das
Dach mit den vier Dachflächen, von einem kurzen Turm mit einer reich
dekorierten Kuppel gekrönt, halb maurisch, halb Moschee. Die emaillierten
Dachziegel in Grün, Blau, Gelb und Ocker sollen eine Hommage an die Farben der
brasilianischen Flagge sein. Wie es zu dieser Zeit üblich und schick war,
wurden die Ziegel, praktisch das ganze Baumaterial, aus Europa hergeschifft:
Die dekorativen Eisengitter stammen aus England, die Bronzen aus Belgien, die
Kristallleuchter und Spiegel aus Murano, Italien. Ein portugiesisches
Architekturbüro war für die Konstruktion aus dem Jahre 1883 verantwortlich. Die
Hauptfassade schwelgt im Prunk griechischer Säulen und anderen hellenistischer
Elemente. Auch das wunderschöne Holzparkett aus einheimischem Tropenholz,
krönender Innenausbau, bekam den edlen Glanz und die perfekte Form in Europa
verpasst. Ellenhohe, elegante Spiegel und viel Stuck und Gips unterstreichen
die Verspieltheit des Interieurs voller goldenem Fru-fru, typisch für die Belle
Époque.
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