28 Manaus modern
Die zerfallenen Fassaden
in ausgewaschenem Rot der drei, vier ungleichen Gebäude, ein Teil der
Hafenanlage, sehen, ob’s wohl dem difusen, grauen Regenlicht zuzuschreiben ist,
heute noch trostloser und einsamer aus. Die angefressenen Ränder und das
Dreckwasser kaschieren erfolgreich die wirkliche Tiefe der riesigen Pfütze. Der
Zustand der Häuserzeile, das erste Gebäude imitiert fantasievoll ein
Schlösschen aus dem Mittelalter, erweist sich von Nahem als noch dramatischer.
Die enormen, massiven Blöcke aus Sandstein des Bürgersteiges, die selben, die
als Gewicht in den Schiffsbäuchen übers Meer kamen, zeugen von besseren Zeiten.
Da, hoch oben im dritten Stock, wächst gar unbekümmert ein Strauch aus dem Fenster.
Hier funktionierten, nur hundert Jahre ist´s her, rappelvolle Lagerhäuser und
ein florierender Kommerz. Über allem lag eine penetrant und stechend riechende
Wolke - Kautschuk. Leider scheint es mal wieder, wie so oft in Brasilien,
einfacher zu sein, etwas abzureißen und an derselben Stelle etwas Neues
hinzuklotzen, grandioser, moderner, zeitgemäßer. Das protzige Hochhaus aus Glas
und Stahl des Ministeriums der Fazenda gleich da hinten illustriert das sehr
gut. Schlimmer nur ein paar Straßen weiter oben das Colégio Dom Bosco, eine
katholische Privatschule, dessen grandioser, aber so unpraktisch und
unzeitgemäßer Altbau aus der Belle Époque dem Verfall preisgegeben scheint.
Gleich daneben wurde ein fensterloser Monsterbau hochgezogen, ein Kultur- und Sportzentrum.
Aber Hoffnung naht. Manaus wird eines der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft
2014 sein. Auf der „Praça da Polícia“, offiziell „Praça Heliodoro Balbi“
genannt, strahlt ein kleiner Park mit einem filigranen Pavillon und
romantischen Brücken in neuem Licht. Auch der zentrale Gemüse-, Früchte-,
Fleisch- und Fischmarkt wird endlich restauriert. Klar, nur die Touristen mit ihrem nie versiegenden Durst
nach Geschichte, können so was in Gang setzen. Beim Umbau der Markthalle soll übrigens im Dachstock eine endlose, gut
genährte Riesenschlange gefunden worden sein. Kein Wunder, an Ratten mangelt es
hier kaum.










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