segunda-feira, 13 de fevereiro de 2012

28 Manaus modern

















28 Manaus modern

Die zerfallenen Fassaden in ausgewaschenem Rot der drei, vier ungleichen Gebäude, ein Teil der Hafenanlage, sehen, ob’s wohl dem difusen, grauen Regenlicht zuzuschreiben ist, heute noch trostloser und einsamer aus. Die angefressenen Ränder und das Dreckwasser kaschieren erfolgreich die wirkliche Tiefe der riesigen Pfütze. Der Zustand der Häuserzeile, das erste Gebäude imitiert fantasievoll ein Schlösschen aus dem Mittelalter, erweist sich von Nahem als noch dramatischer. Die enormen, massiven Blöcke aus Sandstein des Bürgersteiges, die selben, die als Gewicht in den Schiffsbäuchen übers Meer kamen, zeugen von besseren Zeiten. Da, hoch oben im dritten Stock, wächst gar unbekümmert ein Strauch aus dem Fenster. Hier funktionierten, nur hundert Jahre ist´s her, rappelvolle Lagerhäuser und ein florierender Kommerz. Über allem lag eine penetrant und stechend riechende Wolke - Kautschuk. Leider scheint es mal wieder, wie so oft in Brasilien, einfacher zu sein, etwas abzureißen und an derselben Stelle etwas Neues hinzuklotzen, grandioser, moderner, zeitgemäßer. Das protzige Hochhaus aus Glas und Stahl des Ministeriums der Fazenda gleich da hinten illustriert das sehr gut. Schlimmer nur ein paar Straßen weiter oben das Colégio Dom Bosco, eine katholische Privatschule, dessen grandioser, aber so unpraktisch und unzeitgemäßer Altbau aus der Belle Époque dem Verfall preisgegeben scheint. Gleich daneben wurde ein fensterloser Monsterbau hochgezogen, ein Kultur- und Sportzentrum. Aber Hoffnung naht. Manaus wird eines der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft 2014 sein. Auf der „Praça da Polícia“, offiziell „Praça Heliodoro Balbi“ genannt, strahlt ein kleiner Park mit einem filigranen Pavillon und romantischen Brücken in neuem Licht. Auch der zentrale Gemüse-, Früchte-, Fleisch- und Fischmarkt wird endlich restauriert. Klar, nur die Touristen mit ihrem nie versiegenden Durst nach Geschichte, können so was in Gang setzen. Beim Umbau der Markthalle soll übrigens im Dachstock eine endlose, gut genährte Riesenschlange gefunden worden sein. Kein Wunder, an Ratten mangelt es hier kaum. 


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