49 Ursprünglich unabdingbar - Farinha
“Farinha”,
(grobkörniges Mehl) „Farinha d´água“ ist
im Amazonas eine Art Grundnahrungsmittel. Für Europäer ist
es eher gewöhnungsbedürftig. Theoretisch kann man aus allen Maniokarten
Farinhas herstellen, aus der ungiftigen „Macaxeira“,
der -sanftmütigen- oder der strengen/bösen, hochgiftigen, gar aus Mais. Die lokale, amazonische „Farinha d’água“ wird aus der giftigen
Maniokwurzel. Zur Schöpfung der Maniokwurzel gibt es eine Lende: Die
Maniokwurzel sei auf dem Grab eines von einem von einem weißen Mann mit einer
India gezeugten Kindes gewachsen. Das Kind, Frucht eines Fehltrittes, wurde
umgebracht und genau da begraben. Ob es nun der Sünde oder der ihm
nachgeweinten bitteren Tränen zu verdanken ist, dass die Wurzel, die entstand,
giftig wurde, darüber sind sich die Lenden uneinig. Die Pflanze stammt, wie der
Mais, aus Südamerika, wo sie seit Urzeiten von allen Indiostämmen angebaut,
veredelt und in immer anderen Varianten gezüchtet wurde. Die Indios verwerten
alle Teile der Maniokpflanze und das Gift wird durch den Kochprozess zerstört. Für
viele Leute aus dem Amazonas ist es viel wichtiger als Brot, ein wirkliches
Grundnahrungsmittel. Es gibt tausenderlei Farinhas, hellere, gelbere, gröbere,
feinere, aber nur hier im Norden gibt es die leckeren, knackigeren oder krossen
„Farinhas d’água“ (Wassermehl, weil
die Maniokwurzel im Wasser fermentiert). Auf allen Märkten werden sie offen in
recycelten, seitlich heruntergerollten Mehlsäcken angeboten und jeder hat so
seine Vorliebe. Wer kosten will, bevor er kauft, wirft sich mit drei Fingern
etwas Farinha in den Mund. Hat man sich in der Schärfe des allgegenwärtigen
Pfeffers getäuscht? Es gibt kein besseres Gegenmittel, als eine Handvoll
Farinha. Schon ist das Brennen gebannt.





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