34 Belém Belle Époque - Paris in den Amerikas
Der hohe Uhrturm von winkt einem
von weitem zu. „Paris nas Amerikas“ erhebt
sich majestätisch über das wilde und farbenprächtige Gewimmsel. Das vernachlässigte
Zentrum von Belém ist ein wahres Mekka der Straßenhändler, schreiend,
pulsierend, gefährlich und dreckbillig. Hat man aber einmal den Fuß auf die
überreich verzierten Fließen in Neo-klassizistischem Barock gesetzt, scheint
die Zeit still zu stehen. Die etwas zurück versetzte Treppe ist ein kleines
Schmuckstück. Sie beginnt ausladend mit zwei Säulen, verjüngt sich wie die
geschnürte Taille einer Geige, um sich dann in halber Höhe zu teilen. Führt in
kühnem Bogen ins u-förmige Obergeschoss mit Galerie. So konnte die
anspruchsvolle Kundschaft, feinste Damen mit blasser Haut und Sonnenschirmchen,
in raschelnden Kleidern aus Batist oder ultraleichtem Leinen, beidseitig
darüber hochgleiten, ohne auch nur den Boden zu berühren. Die Lampen, der
Stuck, die Spiegel, die wunderschönen Einlegböden, zweifarbige Intarsien,
Mädchenschienbeine genannt, sind alle noch da. Fast unberührt und geisterhaft
leer, unbenützt. Ganz anders das Eingangsgeschoss – „Paris nas Américas“ ist bis heute ein Tuchgeschäft! Nur leider
ziemlich viel populärer, als auch schon, denn heute setzt keine Dame der
besseren Gesellschaft auch nur einen Fuß in den ordinären Schmutz des Zentrums.
Zwar liegt die zentrale Markthalle „Ver-o-peso“ gleich um die Ecke und die
ultraschicken „Docas“, die zu Restaurants umgebauten Docks sind höchstens fünf
Fußminuten weg. Das exakt am 15.06.1870 als erstes in Belém eröffnetes
Geschäftshaus legt bis heute ein perfektes Zeugnis jener Belle Époque ab, zu
der Zeit, als der Handel mit Kautschuk gerade seinen Gipfel zu erklimmen
begann. Beléms Vorbild zu dieser Zeit war
nichts weniger als das kosmopolitische Paris.
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