8 Mittendrin im Regenwald: überwältigend immergrün
Wagt man sich, natürlich mit Führer, sozusagen aus der Ameisenperspektive
mitten in den Dschungel, kann man ermessen, wie gigantisch komplex alles
verzahnt ist. Steht man, nach einem schweißtreibenden Fußmarsch, die Steigungen
und Gefälle sind gefährlich steil, und keiner hat sich die Mühe gemacht, hier
trittfeste Schwellen oder gar Stufen anzubringen, am Fuß eines vielleicht Jahrhunderte
alten Baumriesen, kann man ermessen, wie viel Standfestigkeit dazugehören muss,
um so exponiert tropischen Gewittern und Stürmen standzuhalten. Massivste drei,
vier Mal mannshohe Bretterwurzeln, eine Art hölzernes Gebirge, verbarrikadieren
Stämme, Riesen, die auch ein paar Personen zusammen nicht so ohne Weites
umarmen. Vom vielen Hochschauen könnte man sich leicht eine Genickstarre holen.
Andere Baumgiganten lassen ihre Wurzeln raumgreifend wie Polypenarme
oberirdisch ausschweifen, über den Boden kriechen, sich besitzergreifend immer
weiter ausbreiten. Bei einem dritten brechen sich Luft- oder Stützwurzeln, eine
über die andere, durch die Rinde Bahn, wachsen sehnig und adrig übereinander
hinweg, wie wenn man einen muskulösen, sinnlichen Körper enthäuten würde.
Formen stelzenartige Gebilde, die die Kuppeln auf diese Art und Weise
verankern, sozusagen, im Boden festkrallen. Auf dem Weg entzücken die
absurdesten Lianen, „Cipós“, die sich
in den wildesten Formen und allen möglichen Dicken krümmen, aufwerfen,
runterlassen, hochschlingen. Die wohl beeindruckendste Liane, ihr Name
Schildkröten- oder Affentreppe sagt´s schon, erinnert mit ihren runden Stufen
wirklich an eine Art Himmelsleiter.
Kein Zweifel, es gibt immer noch unendlich viel Unbekanntes, Unerforschtes,
Mysteriöses hier im Regenwald. Deshalb schaut auch die Wissenschaft mit
glänzenden Augen auf den Amazonas. Wer weiß, ob eine seiner Pflanzen, Moose,
Schimmelpilze oder Tiere uns gar von Menschheitsgeiseln wie Krebs oder anderen
Krankheiten befreien kann?







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