36 Belém, Museum Goeldi
Hier im vom Schweizer
Naturforscher und Naturalisten Emil Goeldi 1893 installierten Museum mit renommierter
Forschungsstation, das heute seinen Namen trägt, kann man ein weiteres
Puzzlestück Amazonas genießen. Ganz Belle Époque ist der Park, bis heute sehr
beliebt bei den Einwohnern. Die Ausstellungen in den verschiedenen Museen
zeigen ein interessantes Panorama der Natur- und Lokalgeschichte und werden
durch die laufenden Forschungen mit Schwerpunkt Amazonas immer aktualisiert. In
seiner wunderschön kühlen Parkanlage trifft man einen faszinierenden Teil des
amazonischen Pflanzenreichtums, sozusagen en Miniatur. Auch lauschige Teiche
und ein Riesenbambus fehlen nicht. Dazwischen befinden sich die Gehege und
Becken für ein paar Wildtiere, Zitteraale, Stachelrochen, Krokodiele und
natürlich die unterschiedlichsten Schildkröten, bis heute so begehrt für den
Kochtopf. Allerdings ist auch der Gitterkäfig der Onça, eine wilde,
furchterregende Raubkatze, der brasilianischer Panther, noch ganz altmodisch
aus Beton. Onças stehen für ein anderes, ein archaisches Brasilien. Ein Farmer
aus den tiefen Tiefsten des unzugänglichen Regenwaldes erzählt: - „Mensch,
hatte ich eine Wut auf sie. Befahl, sie zu fangen, zu töten und aus ihr ein
Ragout zu kochen! Mensch, war die zäh! Hat überhaupt nicht geschmeckt!“ – Sie
war nichts anderes als eine wunderschöne „Onça“,
ein getigerter oder schwarzer Panther! Der Hass des Farmers ging so weit, dass
er sich den übermächtigen Feind sozusagen einzuverleiben musste. Heute erzählt
er im leichtesten Gesprächston davon am bestens gedeckten Tisch. Er ist kein
primitiver oder einfacher Mann, nein, ein reicher Großgrundbesitzer – der die
ach so clevere Raubkatze, sie dachte, dass er sein Vieh ganz allein für sie
hielte, nicht nur töten ließ, sondern auch gleich verspeisen musste, um seine
Wut auszukühlen. Ein Schimmer des anderen, wilden Amazonas.






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