segunda-feira, 13 de fevereiro de 2012

20 Negiertes Erbe – die Indios











20 Negiertes Erbe – die Indios


Sie erzählen, dass wenn ein Indiobaby zur Welt komme, seine Nabelschnur mit einem gut geschärften Stück Bambus durchtrennt werde. Die Nabelschnur vergrabe man anschließend hinter dem höchsten Baum des Waldes, was erkläre, wie stark und unlösbar der Indio mit der Natur verbunden sei. Ein griffig-schönes, sicher wahres Bild, wenn auch ziemlich romantisch und romantisiert. Die sozusagen reale amazonische Realität relativiert es deutlich, ist nackter, brutaler, erbarmungsloser. Die Indios unterstehen einem Sondergesetz und haben einen staatlichen Beschützer/Tutor, die Funai. Wird heute z.B. ein neuer Stamm Indios lokalisiert, beschränkt man sich darauf, den Aufenthaltsort des Stammes festzustellen. Es wird kein direkter Kontakt hergestellt, niemand darf ihnen die „Wunder der Zivilisation“ bringen. Sie sollen so effizient wie möglich von den Goldgräbern, Abenteurern, Wilderern und Drogenschmugglern geschützt werden. Die Funai erlaubt nur sehr sporadischen und sehr kontrollierten Besuch von „Indigenistas“, Antropologen, die ihre Sprache und Lebensweise studieren oder von Ärzteteams, die eine rudimentäre Gesundheitsversorgung gewährleisten. In ihre zum Teil auch sehr grausamen Regeln und Riten, ihre Traditionen wird nicht eingegriffen. Somit ist es alles andere als einfach, ein Indiodorf, eine „Aldeia“, zu besuchen. Nicht jeder verfügt über die Mittel oder die körperlichen Voraussetzungen, ein Privatflugzeug zu chartern und dann noch tagelange Fußmärsche durch den Dschungel auf sich zu nehmen.
Eher exotisch ist die Begegnung im armseligen, lokalen Supermarkt. Da steht er, ein „echter“ Indio, vor den Gestellen mit Eingebüchstem. Der dekorativ in die Unterlippe eingelassene Teller lässt keinen Zweifel daran. Derselbe weist ihn als Mitglied der Caiapós aus. Andere schmücken sich mit einem Pflock im Kinn oder schöpfen sich mit vier Stöckchen, stilisierte Schnauzhaare, eines quer durch die Nasenscheidewand, als Jaguare nach.
Hinter vorgehaltener Hand gelten die Indios allerdings bis heute als Wilde, werden diskriminiert. Man begegnet ihnen überall. Leider ist ihnen ihre von uns so hochstilisierte Kultur irgendwo auf dem langen Weg abhandengekommen. Sie gehören zur Unterschicht. Leben am Rande der Städte in Favelas, die hier aus Stelzen in die vielen Wasser hinein gebaut werden. Auch lokale Intellektuelle, oft ganz klar indianischer Abstammung, scheinen blinde Spiegel zu haben. So bleibt den indigenen Völkern ihre komplizierte Nische vorbehalten, in der Antropologen alle 10 Jahre ihre Ansichten wechseln, sich untereinander befeinden, „ihre“ Indios retten wollen oder nicht - ein mystischer, folkloristisch verbrämt Halbschatten. 



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