7 Nicht Regen, Sintfluten
Der Regen setzt
nie aus, nicht mal sonntags. Kaum beginnt die Sonne an den Pfützen zu lecken,
türmen sich schon dramatisch drohend die nächsten Wolkenwände auf, pechschwarz,
himmelhoch und schwer, tonnenschwer. So beladen, dass sie sich schon bald,
nein, jetzt gleich! erleichtern werden. Aber eigentlich mag man den Regen hier
in Nordbrasilien. Auch die Papageien, es scheinen unzählige zu sein, machen
sich plötzlich aufgeregt kreischend und animiert schnatternd genau dann
bemerkbar, wenn es Sintfluten gießt. Die prasseln ganz unerwartet aus eben noch
strahlend sauberen Lüften. Es ist, als ob die ganzen unfassbaren 20% der Süßwasserreserven der ganzen Erde urplötzlich urgewaltig aus himmlischen Schleusen fallen würden. Denn ein Fünftel aller Wasser
ist in die amazonischen Regen- und Wasserzyklen involviert. Die Wasser sind,
neben der Tropenhitze, die Triebfeder, das Metronom für fast alles hier. Mitten
im tropisch dichten Regenwald sollen solche Regengüsse noch eindrücklicher
sein. Man könne minutenlang nur das Trommeln und Prasseln der Regen hören,
spüre aber keinerlei Nass; das dichte, viellagige Blätterdach lasse nicht den
geringsten Tropfen durch. Nur nach und nach bahnten sich die Wasser dann ihren
Weg. Sprängen als unregelmäßige Tropfen herunter, bleischwere Wasserkugeln,
über Blatt und Blatt gerollt, viele Blattstockwerke tiefer angesammelt,
angereichert, abgeprellt, vom Waldboden wie von einem trockenen Schwamm gierig
aufgesogen. Mit der selben grausigen Urkraft, sozusagen wie abgeschnitten, reißen
die Regen ganz plötzlich wieder ab. Schon bannt die Sonne, stechend, leckt
unsichtbar die Wasser vom Asphalt, verdampft sie in riesigen Nebelschwaden aus
den Wäldern. Die eben noch so fröhlichen Papageien verstummen.

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