24 Eine schwangere Madonna und verblichener Belle Époque-Glanz: Mosqueiro
Sie ist wohl eine der wenigen
Madonnen, die sich so sichtbar, so geoutet schwanger bekennt. Ihre wunderbar
plastische Statue steht in Mosqueiro, irden, volksnah, wundersam greifbar. Der
Archipel Mosqueiro, er setzt sich aus 35 auf ca. 220 km² verteilten Inseln zusammen, wurde Ende des
19.Jahrhunderts mitten im Kautschukboom von jenen reichen Ausländern entdeckt,
die der Gummi und andere Güter hierher gelockt hatten. Bis heute ist Mosqueiro
der „Strand“ Beléms. An den lang
gezogenen Flussbänken, mit ihrem zwar trüben, aber süßen Wasser, bauten die
Lochards, Ponteds, Smiths, Uptons, Kaulfuss und Arouchs, die im Privatboot
ankamen, ihre Wochenendhäuser. Bald folgten ihnen die vermögenderen Familien
Beléms und bauten immer mehr Chalés und Bungalows aus „Acapú“, einem lokalen Holz. Alle im eklektischen und
modernistischen Stil, an den Chalés der Schweizer Alpen inspiriert. Typisch ist
das reich geschnitzte Filigran im besten Zuckerbäckerstil, gar dem Hexenhaus
von Hänsel und Gretel abgeschaut. Leider haben nur wenige bis heute überlebt.
So wie das Hotel zum Leuchtturm. Der Leuchtturm signalisiert schon lange nicht
mehr, aber das Hotel, eine Mischung aus Hochalpensanatorium und bayrischer
Pension bedient bis heute seine Gäste.
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