32 Belém kolonial –
vom Glanz ehemaliger Blüte
Wo ist die wunderschöne
Stadt abgelieben, die 1751 unter dem portugiesischen Premierminister und
Erneuerer Marques de Pombal zur Hauptstadt der Provinz Grão-Pará e Maranhão
erhoben wurde und dazu vom Architekten Antônio Guiseppe Landi, Italianer aus
Bologna (1708-1790), mit seinem unvergleichlich, klassischen Stil zu einer tropischen
Metropole ausgebaut? Metropole war der Status Beléms, direkt Lissabon
unterstellt. Pombal hatte Großes vor. Der Amazonas sollte zu einer florierenden
Überseekolonie nach dem englischen und holländischen Vorbild der
Ost-Indien-Kompanien ausgebaut werden. Bedeutende Bauten, wie die große
Kathedrale Sé und der Palácio do Governo (1940 in Palácio Lauro Sodré
umgetauft; 1994 zum Museum des Staates Pará ausgebaut) und das “Casa das Onze
Janelas”, das elf-fenstrige Haus am Ende des Platzes, ein ehemaliges
Militärkrankenhaus, zeugen noch davon. Der ganze Block trägt heute wieder den
stolzen, geschichtsträchtigen Namen „Núcleo Feliz Lusitânea“. Denn hier ankerten
1616 die ersten Portugiesen. Ihr Ziel? Präsenz im Kreuzzug gegen die unliebsame
ausländische Konkurrenz und der lukrative Handel mit den sogenannten “Drogas do Sertão”, aromatische Harze,
Medizinalpflanzen und Gewürze, nicht nur zum Essen, sondern auch als
Medikamente begehrt, für Parfüms und Balsame, zur Räucherung und als
Konservierungsstoffe - Spezereien, auf dem europäischen Markt oft mit Gold
aufgewogen. Im Museum „Forte do Presépio“ kann man diese bewegte Geschichte der
Kolonisation des Amazonas nachvollziehen. Hier stehen indianische Töpferwaren
gleichberechtigt neben Resten europäischen Porzellans. Bald schon ging es
bergab. Zwischen 1835 und 1837 wurde Belém zum Zentrum eines Volksaufstandes,
zum Epizentrum einer Revolution, der „Cabanagem“
eine Art Bürger- und Befreiungskrieg. Untere Schichten, frei gelassene Sklaven,
Indios ohne Stammeszugehörigkeit und ein paar Fazendeiros und Händler zettelten
ihn an. Probten, von den Ideen der Französischen und Amerikanischen Revolution
inspiriert, die Unabhängigkeit. Der Aufstand griff auf alle Staaten Grão-Parás,
(heute Pará, Amazonas, Roraima, Rondônia und Amapá) über. Es wird geschätzt,
dass mindestens 40% der Bevölkerung, oder 30.000 Bewohner bei den Unruhen und
Kämpfen getötet wurden.
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