sábado, 4 de fevereiro de 2012

38 Karneval ganz tropisch













38 Karneval ganz tropisch

Von Weitem schon machen sich die karnevalesken Schreie bemerkbar. Alle springen herbei, keiner will auch nur das kleinste Detail verpassen. Die Atmosphäre ist so unkompliziert animiert. Ein uralter VW-Kombi, zum „Trio Elétrico“ (großer Laster, auf dem eine Musikband die Zuschauer animiert) verfremdet, droht jeden Moment, in seine Einzelteile auseinanderzubrechen. Die Qualität der Musik lässt mehr als zu wünschen übrig, was aber durch die ohrenbetäubende Lautstärke wieder gut gemacht wird. Die Narren, die den „Trio Elétrico“ „ziehen“ oder wohl besser von ihm gestoßen werden, gleichen die fehlende Inspiration bei Fastnachtskostüm und anderen Verkleidungen durch die unterschiedlichsten Stadien des Angeheitertseins aus. Einzig die glänzend geschwärzte und äußerst animierte „Nega fulô“, sie trägt zum trägerlosen Oberteil aus grellfarbiger „Chita“ (farbig bedruckter, brasilianischer Baumwollstoff) einen frech verwegenen Hut mit dem selben Blumenmuster, tanzt außer Rand und Band aufgekratzt aus der Reihe. Unter der schlecht aufgetragenen Schicht schwarzer Schuhwichse verraten stramme Schenkel und eine abgeflachte Nase das Indioblut des lokalen Caboclos. Die zusammengelaufene Menschenmasse begleitet, ganz wie es beim Karneval Brauch ist, den „Trio Elétrico“ ein Stück weit. Wird, fröhlich vor sich hinschwitzend, mit heißen Küssen bedacht. Gleich setzt auch der nächste Regen ein. Er setzt sein hinterlistiges Zerstörungswerk fort, leckt da an der Schuhcreme, wäscht hier ein wenig Schweiß von mehr oder weniger muskulösen Oberkörpern, den selben, die die ganze Zeit drohen, ihre Winzkostüme, Bikinioberteile nur, zu zersprengen.
Neuinterpretationen eines, wie sie erzählen, glanzvollsten Karnevals Brasiliens, ein gesellschaftlicher Höhepunkt, lange im Voraus geplant, organisiert und zelebriert. Die Bälle fanden in den schicken Clubs, in der ganzen Stadt verteilt, statt. Die meisten verkleideten sich als Pierrot, Kolumbine oder Harlekim, aber es gab auch Baianas, Türken oder gar einen Tiroler. Das Stadtzentrum war für den „Corso“, den Umzug karnevalesk geschmückt. Es gab Umzüge mit Konfetti- und Luftschlangenschlachten und „Lança perfume“ (ein Spray, der die Mischung aus chemischen Lösungsmitteln und Parfüm in einen eisigen Strahl verwandelt, heute verboten, da als Droge missbraucht), oder Schlimmeres, um das andere Geschlecht auf sich aufmerksam zu machen. Jeder Karneval hatte seine „Marschinha“ (Märschchen, Karnevalsmusik, oft mit lustig-anzüglichen Texten), die alle auswendig kannten und mitsangen. 


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