23 Die Insel der
Liebe von Alter do Chão
Die klaren, großen Himmel
weiten sich endlos bis zum Horizont. Die tiefen Wolken driften, leicht und klar.
Wirken wie hingepinselt, in weißen, panoramisch lang gezogenen Schlieren.
Schweben, diffus und weichrund, eine Handbreit über der Wasserlinie. Der
unberührt scheinende Regenwald, in sich geschlossenes Grün, erhebt sich kaum
sichtbar, eine einzige, weit gezogene Ebene. Am Ende ein einzelner Hügel,
abgeflacht, ein Vulkankegel. Die Sandbank hat die Form einer Sichel; purer,
weißer Zucker, einer feinen, sich in der Mitte verbreiternden, kristallenen
Linie entlang hingestreut. Der Fluss Tapajós, zahmträger Strom, weit, fast ein
Meer, spiegelt das Blau des Himmels um ein paar Nuancen dunkler zurück.
Dreißig, vierzig Schiffchen liegen wartend auf der Lauer, starkblaue und
fröhliche Ruderboote mit sauberem, weißem Rand. Das starke Orange der
Rettungswesten leuchtet. Der brennenden Tropensonne dieses überperfekten
Sonntags ist es noch nicht gelungen, ihnen ihre Strahlkraft auszubleichen. Eine
gute halbe Stunde von Santarém entfernt liegt jener paradiesische Strand, die
Insel der Liebe, der noch fast ganz in der Hand der Einheimischen und einigen
ausländischen Späthippies ist. Nur die Kreuzfahrtschiffe haben seine
Schönheiten schon ins Programm aufgenommen. Sie ankern weit draußen. Spucken hin und wieder gelbe
Schlauchboote aus, die ihre bleiche Touristenfracht am überdimensionalen
Bootssteg ausschütten, von wo aus sie dann für eine halbe abenteuerliche und
tropisch-heiße Stunde den stillen Flecken überschwemmen. Die beste Jahreszeit
ist im Januar, da sind die Wasser tief und die freigelegten Strände wunderbar
weiß.
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