45 Musik und Tanz im Rhythmus des Carimbós
Carimbó, unverbraucht original und lüpfig, heißt
die Volksmusik und der Tanz aus dem Bundesstaat Pará. Carimbó besingt mit sehr
viel Humor und hillarischen Texten das Alltagslandleben. Es gibt ein Lied über
den „Piolho“, die Laus. Das nächste ist über Inesens Ziegenbock und ein anderes
über ein gestandenes, sozusagen in die Jahre gekommenes Krokodil. Was für eine
skurrile Welt, in der auch der ins Gemüsebeet verirrte Aasgeier nicht fehlt!
Die raue, ungekünstelte Stimme Verequetes, des Carimbó-Altmeisters schallt aus
dem Lautsprecher, lässt keinen verschnaufen, weiter und weiter zieht er in
atemlosem Rhythmus den Bogen eines neuen Liedes. Verequetes, einer der
Kreateure und Pioniere des Carimbós, wird bis heute bewundert und referenziert.
Keinem anderen gelingt es, die Verse so kunstvoll zu zerkauen, genießerisch mit
den Zähnen im Rhythmus zu zermahlen. Alles wird Musik, liefert kuriosen Anstoß
zu einem höchst mitreißenden Lied, im charakteristisch schnellen Rhythmus, der
Alt und Jung buchstäblich nach zwei Minuten von den wackligen Klappstühlen
reißt. Schon klatschen die bloßen Füße der lokalen Schönheiten den Takt auf den
nackten Boden. Ihre grellbunten Blumenröcke aus preiswerter Baumwollchita
zeichnen wilde Kreise in die Luft, die schlanken Armpaare fliegen. Ihre männlichen
Tanzpartner drehen und wenden sich, einmal nach vorne, dann wieder zurück. Ein
einziges Vibrieren und Schütteln, das nicht nur die bloßen Oberkörper der
Vortänzer sogleich in Schweiß badet.
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